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Ernst Gottlieb Woltersdorf

Autor vieler klassischer Kirchenlieder, Lehrer, Schriftsteller und vieles mehr.

Eine Kurzzusammenfassung seines Lebenswerkes von Frank Vornheder für die Connect Kirche in Zofingen, Schweiz.

Ernst Woltersdorf war ein extrem produktiver Mensch, fast schon hyperaktiv irgendwie immer runter Strom . Sonst wäre sein Lebenswerk nicht so umfangreich ausgefallen. Er war Liederdichter, Prediger, Pädagoge (Lehrer) und Schriftsteller vieler kleinerer Schriften. 

Geboren wurde Ernst Woltersdorf am 31. Mai 1725 als der sechste Sohn des Predigers Gabriel Lukas zu Friedrichsfelde bei Berlin. Bereits im Alter von 17 Jahren kam er als Student an die Universität Halle um sich dort dem theologischen Studium zu widmen. In Halle wohnte er in dem Francke’schen Waisenhaus und nahm von dort auch an dem Unterricht in in diesem Haus teil. Dadurch verkehrte er mit anderen jungen Männern „ernster“ christlicher Gesinnung“ wie es in seinen Aufzeichnungen heisst. 

Die Zeit bei den Francke’schen Lehr-Anstalten prägte seinen Glauben sehr. Ein nächstes prägendes und bedeutsames Erlebnis war die Begegnung mit dem frommen Dichter und Prediger, dem Diakonus Lehr aus Köthen. Dieser hatte an dem collegium biblicum – also Universität zu Halle einen Vortrags gehalten bei dem Ernst «von der Liebe Jesu» so ergriffen wurde, daß er nach seinem eigenen Worten von da an in begeisterten Liedern Zeugnis ablegen konnte. 

Von den Frankschen Anstalten wechselte er seinen Wohnsitz zu einer Anstellung in einem Pfarrhause in der Ukermark, bei dem Prediger Stilke in Zerrenthin, von 1744 an eine Hauslehrerstelle bekleidet hatte. Dort leistete er zusätzlich wegen der Größe der Gemeinde auch alle Sonntage Hilfe im Predigen und Lehren. Danach folgte er im Frühjahr 1746 dem Rufe in eine Erzieherstelle im Hause der verwittweten Reichsgräfin von Promnitz in der Niederlausitz, wo er neben der Erziehung und dem Unterricht des jungen Grafen auf Bitten der Gräfin am Sonntag außer dem Gemeindegottesdienst noch besondere Erbauungsstunden auf dem Schlosse hielt. Als er infolge dieser gesegneten Wirksamkeit schon nach drei Monaten den Ruf zu einer Feldpredigerstelle bei einem dortigen Regiment empfing, glaubte er denselben mit Rücksicht auf seine Jugend, er war erst 21 Jahre alt, und seine erst so kurze Wirksamkeit in der neuen Stellung, ablehnen zu müssen. Er erlernte bei dem benachbarten Prediger Petermann in Vetschau in kurzem das Wendische (eine ostdeutsche Mundartform) so weit, daß er den zahlreichen Menschen in der Umgebung das Evangelium verkündigen konnte. Nach einiger Zeit erhielt er dann eine Einladung zum Dienst an der Bethanienkirche, doch auch für diese Aufgabe hielt er sich selber für zu jung 

Da erging eine zweite Aufforderung des Magistrats an ihn durch ein im Namen der Bürgerschaft überbrachtes Schreiben. Da glaubte Woltersdorf die Stimme Gottes nach Jeremia 1,7 zu vernehmen: „Sage nicht: Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen, was ich dir heiße“. 

Er reiste nach Bunzlau um eine Gastpredigt zu halten. Infolge seiner am 18. Februar 1748 gehaltenen Gastpredigt, die einen ergreifenden Eindruck auf die Gemeinde machte, wurde er mit großer Stimmenmehrheit zum zweiten Prediger an dieser Kirche erwählt. Da wurde von einer gegnerischen Partei Einspruch gegen diese Wahl erhoben und seine Ernennung verzögerte sich. In den 8 Wochen Wartezeit erhielt er in der Nachbarschaft verschiedene Gelegenheit, zu predigen.Besonders die Gemeinde in Friedersdorf am Queis gewann ihn, während der Zeit, so lieb, daß sie den Wunsch aussprach, er möchte als ihr Prediger bei ihr bleiben. Doch die Bürgerschaft von Bunzlau ließ nicht von Woltersdorf ab. Eine an den König gerichtete Bitte, ihn als ihren Prediger zu bestätigen, hatte den erwarteten günstigen Erfolg. 

Am 23. October wurde er, nachdem er zuvor von der Gemeinde in Friedersdorf bewegt Abschied genommen, in sein Amt eingeführt. Am Sonntag darauf hielt er seine Antrittspredigt unter großer Bewegung seines Herzens und seiner Gemeinde, denn auch von nah und fern kamen erweckter und gläubiger Glieder anderer Gemeinden. Schon bald hatte er sich mit unermüdlichen Treue und rastlosen Arbeit in die Gemeinde eingelebt. In dieser Zeit entstanden auch die Lieder «Weicht, ihr finstern Sorgen! Denn auf heut und morgen sorgt ein anderer Mann» oder das Lied «Christi Blut stärkt meinen Mut und läßt mich in Not und Plagen nimmermehr verzagen»

Seine Predigten zündeten in der Gemeinde ein Feuer an, welches auch durch andere Gemeindepfarrer umliegender Ortschaften geschürt wurde. Oft bot die Kirche nicht genug Raum für alle Besucher, so dass dann der Gottesdienst unter freiem Himmel, im Bunzlauer Stadtwald abgehalten wurde. Schlussendlich dehnte sich die Bewegung über die umliegenden Landgemeinden aus. «Wegen der begierigen erweckten Seelen vom Lande», sagt er einmal, «habe ich Sonntags eine neue Versammlung anlegen müssen.“

Von Anfang an nahm Woltersdorf sich mit besonderer Liebe der Kinder an. Es kam öfters vor, dass sich junge Kinder in Häusern zusammenfanden und mit einander sangen und die Gebete, Sprüche und Liederverse, die sie von den Eltern und in der Schule gelernt hatten, beteten. Da kam Ernst zu diesen kleinen Versammlungen, betete mit ihnen, wurde mit ihnen ein Kind.

Nach dem Vorbild der Halleschen Anstalten (Franke) sollte dann auch ein Kinderheim mit Schule am Ort entstehen. Doch schon bald wurde der Gründer des Waisenhauses vom Herrn abgerufen und auch der zum Waisenvater berufene Lehrer Hänisch folgte ihm im Tode. Da scheute sich Woltersdorf nicht, das Amt eines Waisenvaters und Direktors der Anstalt zusätzlich zu den schweren Arbeiten seines geistlichen Amtes zu übernehmen. Seine Wirksamkeit, obwohl nur wenige Jahre dauernd, hatte einen reichgesegneten Erfolg für die Entwicklung der Anstalt. Durch Morgenandacht und Abendversammlung wurde dem Schul- und Hausleben von ihm, als dem Hirten dieser immer zahlreicher werdenden Schar von Waisenknaben, einen Rahmen gegeben.

Zu den Abendandachten, die er am liebsten selber hielt, kamen daher auch viele Erwachsene aus der Stadt und vom Lande, sodaß der neue Saal im Waisenhause oft nicht Raum genug bot und die Andachten dann bei gutem Wetter im Freien gehalten werden mussten. 

Neben aller dieser seine volle Kraft in Anspruch nehmenden und ihn nicht selten überfordernde Arbeit, widmete er sich aus gleichem Drang seines Herzens, oft bis tief in die Nacht seiner bewundernswert umfangreichen und vielseitigen schriftstellerischen Tätigkeit. Da Woltersdorf jedoch eine eher schwächliche Leibesbeschaffenheit hatte wurde diese durch die viele Arbeit wie verzehrt. Das tragen beider Amter (Anstalten (Schul- & Waisenhaus) sowie der Gemeindedienst) war die Ursache seines frühen Todes. 

Am 3. Adventsonntag 1761 hielt Woltersdorf mit eindringlicher Kraft des Geistes seine letzte Predigt.

Nach vollständiger Erledigung aller seiner Amtsarbeit an diesem Tage warf ihn ein heftiges Fieber auf das Krankenbett, von dem Woltersdorf nicht wieder aufstehen sollte. 

Im Alter von nur auf 36 Jahre  verstarb Ernst Woltersdorf


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