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Theologie

Was kann entstehen, wenn wir Gott unsere Theologie überantworten? Hier meine eigenen Erfahrungen (und einige biblische Betrachtungen)

Manchmal muss Gott den „Holzhammer» herausholen, um uns dazu zu bringen, unsere betonierte Theologie aufzugeben und ihm zu übergeben. Doch dann kann Unglaubliches geschehen.

Von Frank Vornheder für die FCG Lenzburg

Dem grossen Apostel Petrus ist dies ganz eindrücklich passiert. Er hatte seine Überzeugungen und Haltungen. Einerseits waren diese durch seine jüdische Erziehung und Prägung gewachsen, zum anderen von drei Jahren «mit Jesus unterwegs sein» geprägt. Und diese Prägung lautete: «Die Juden zuerst», und der Rest zählt nicht (siehe auch meinen Post: «Jesus begegnet … der Hundefrau«). So muss Gott zum „Holzhammer“ greifen, um ihn von seiner «Beton-Überzeugung» abzubringen und ihm etwas (für ihn) Neues beizubringen. In einem Traum (beim Mittagsschlaf) fordert Gott ihn auf, unreine Tiere zu essen. Den Juden war es verboten, bestimmte Tiere zu essen. Sie galten als zeremoniell unrein. Doch Gott gebot ihm mehrfach im Traum, diese Tiere trotzdem zu essen mit der Begründung: «Was Gott gereinigt hat, das erkläre du nicht für unrein». Einem Juden war es gemäss der Bibel absolut verboten, solche gezeigten Tiere zu schlachten und zu essen. Doch Gott sagt trotzdem zu ihm: «Ich habe sie gereinigt, darum darfst du trotzdem essen.» Eine interessante Beobachtung: Etwas, was in der Bibel eindeutig für falsch erklärt wird (3. Mose 11,4), wird durch eine Vision oder ein Traumgesicht als von Gott gereinigt erklärt und erlaubt. Gott bereitete ihn mit diesem Traumgesicht auf etwas ganz anderes vor. Für einen gläubigen Juden war es völlig unmöglich, mit einem Nicht-Juden Gemeinschaft zu haben. Doch Gott zeigte durch das Traumgesicht dem Petrus auf, dass er nicht länger die Heiden für unrein erklären und behandeln durfte (obwohl es in der Bibel anders stand), weil Gott sie in der Vision für rein erklärt hatte. So steht dieser bedeutsame Moment in der Apostelgeschichte beschrieben:

Apg. 10:28 – „Und er (Petrus) sprach zu ihnen (Hauptmann Kornelius und Anhang): Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Angehörigen eines anderen Volkes zu verkehren oder sich ihm zu nahen; doch mir hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.“

und etwas später nochmals:

Apg. 10:34-35 – »Wahrhaftig«, begann Petrus, »jetzt wird mir ´erst richtig` klar, dass Gott keine Unterschiede zwischen den Menschen macht! Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist.

Gott hatte Petrus davon überzeugt, dass Heiden (also Nichtjuden) durchaus das Evangelium empfangen und Jesus im Geist nachfolgen können. Dazu hat es einige Überzeugungsarbeit gebraucht, denn es widersprach dem Gesetz der Juden und so auch der Bibel der ersten Christen. Petrus musste seine alte Theologie aufgeben, mit seiner Überzeugung und Prägung ein «I Surrender …» machen, damit das Evangelium zu den unwürdigen Heiden kommen konnte.

Aber passiert uns das nicht auch immer wieder? Gibt es nicht auch in unserem Herzen Menschen oder Personengruppen, die wir für „unwürdig» erklärt haben? Also konkret zu unwürdig, um den Heiligen Geist zu empfangen und Jesus nachzufolgen? Ich denke, wir haben da alle unsere „Kandidaten“ oder Personengruppen, die „unwürdig“ sind und die wir mit entsprechendem Blickwinkel sehen und so behandeln. Und ist es nicht so, dass Gott uns auch dort einlädt, mit unserer «Beton-Theologie» ein «I Surrender …» zu machen?

Selber habe ich solche «Horizont-Erweiterungs-Erlebnisse» bereits mehrfach in meinem Leben gehabt. Sehr gut kann ich mich an die Zeit erinnern, als mich die Frage umtrieb, ob sich bekehrende Nazis wirklich Vergebung erlangen können. Ein Artikel über den Militärseelsorger Henry Gerecke hatte diese Frage in meinem Herzen hochkochen lassen. Er hatte die führenden Nazis während der Nürnberger Prozesse auf dem Weg zur Vollstreckung der Todesstrafe begleitet und einige zu Jesus führen können (Buchempfehlung). Die Frage war für mich: Ist die Gnade Gottes auch für solche Massenmörder, wie die, die sich dort bekehrten, ausreichend? Meine kulturelle und geschichtliche Prägung verboten mir diese Frage leichtfertig mit «ja» zu beantworten. Und daher kamen auch massiv die Vorbehalte in meinem Herzen. Dieser Entwicklungsschritt vor vielen Jahren war der Anfang auf meinem Weg zu einem neuen Gnaden-Verständnis.

In diesen Tagen beschäftigt mich die Frage der homosexuellen Christen sehr. Einige habe ich inzwischen kennen lernen dürfen und mich mit ihnen und ihrer Geschichte auseinandersetzen dürfen. Und so ergeht es mir fast schon wie dem Petrus in seinen Tagen und die Frage treibt mich um: Können solche den Heiligen Geist empfangen und Jesus nachfolgen? Sind sie «würdig genug» trotz ihrer uns fremden Gefühlswelt, Jesus nachzufolgen und den Heiligen Geist zu empfangen – eben wie die unwerten Heiden in der Apg. 10? Und je länger ich mich damit beschäftige, umso mehr wird mir deutlich, dass ich an der gleichen Stelle anstehe wie Petrus: Gott sieht nicht den Menschen im Fleisch an, sondern ihn interessiert sein Herz, seine Hingabe. Auch hier wird mir mehr und mehr bewusst, die Gnade Gottes ist absolut ausreichend.

Wieder einmal muss ich ein «I Surrender …» meiner Theologie machen und lernen -solange wir alle in diesem Fleisch unterwegs sind – sind wir ALLE VÖLLIG DANEBEN. In Gottes Augen völlig inakzeptabel – egal, ob wir nur ein wenig daneben sind oder völlig. In Gottes Augen sind wir alle GLEICHERMASSEN völlig daneben und werden es bis zu unserem Ende des Lebens auf Erden auch bleiben. Und niemand sollte sich über den anderen stellen oder abschätzig herabblicken, denn wir sind alle gleichermassen völlig von seiner Gnade in Jesus abhängig.

Kannst du dir vorstellen, ein Surrender deiner Theologie und Überzeugungen zu machen?


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One thought on “Ich kapituliere meine Theologie [#00g]”
  1. Lieber Frank,
    der heutige Beitrag hat mich sehr angesprochen, da ich bisher große Probleme bei diesem Thema und den Menschen hatte. Danke für deine
    Ausführungen.
    Einen gesegneten Tag. MfG Karin

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